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 |  |  | Mit Weddinger Konfirmanden im Harz, 1932
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geboren am 4. Februar 1906 hingerichtet am 9. April 1945 im
in Wroclaw (damals Breslau)
Konzentrationslager Flossenbürg (Bayern)
Dietrich Bonhoeffer wuchs in einer großen - bildungsbürgerlich geprägten - Familie in Wroclaw (Breslau) und in
Berlin auf. 1923 begann er in Tübingen mit dem Studium der Theologie, das er in Berlin fortsetzte und mit der
Doktorarbeit "Sanctorum Communio" (Gemeinschaft der Heiligen), 1928 abschloss.
Es folgte eine kirchliche Ausbildung (Vikariat) in der deutschen evangelischen Gemeinde in Barcelona während
des Jahres 1928, dann ab 1929 die Assistentenzeit an der Berliner Universität. 1930 legte Bonhoeffer sein zweites
theologisches Examen ab, wenige Tage später folgte die
Habilitation mit der Schrift „Akt und Sein“, anschließend
ein einjähriger Studienaufenthalt am Union Theological
Seminary in New York. Dort lernte er insbesondere die
massive Benachteiligung von Schwarzen innerhalb der
amerikanischen Gesellschaft kennen und begleitete mit
Sympathie den Kampf der Schwarzen um die gesellschaftliche
Gleichstellung („Civil Rights Movement“).
Ab August 1931 lehrte er als Privatdozent an der Berliner
Universität. Seine internationalen Kontakte führten 1931
zur Teilnahme an der Konferenz des Weltbundes christlicher
Studenten in Cambridge, wo er zum Jugendsekretär gewählt
wurde. Neben der Lehrtätigkeit an der Universität erteilte er
Konfirmanden-Unterricht in einer Berliner Gemeinde; 1932 erwarb er eine Baracke, um für seine Studenten wie
für die Konfirmanden Wochenendfreizeiten durchzuführen. Literarische Hinterlassenschaft aus dieser Zeit ist die
von ihm selbst als Buch veröffentlichte Vorlesung über 1. Mose 1-3 unter dem Titel „Schöpfung und Fall“(1933).
 |  | Gartenseite des Gutshauses, in dem das Predigerseminar
untergebracht war. Finkenwalde bei Stettin, 1935
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Von Oktober 1933 bis April 1935 war Bonhoeffer Pfarrer einer
deutschen evangelischen Gemeinde in London; von hier aus pflegte
er ökumenische Kontakte und informierte englische Kirchenleute
und Politiker über die Vorgänge in Deutschland nach der Machtübernahme
der Nazis. Besondere Aufmerksamkeit erregte er
1934 bei der ökumenischen Konferenz in Fanø (Dänemark) mit
seiner Rede „Kirche und Völkerwelt“, in der er zu einem Ende
des Wettrüstens und zu einem christlich begründeten Pazifismus
aufrief. 1935 übernahm er die Leitung des Predigerseminars der
oppositionellen evangelischen Bekennenden Kirche in Finkenwalde
(Zdroje) bei Szczecin (Stettin). Er setzte sich nachdrücklich
für die Geltung der „Barmer Theologischen Erklärung“ ein. Die am 31. Mai 1934 von der Bekenntnissynode
beschlossene „Barmer Theologischen Erklärung“ galt als Gründungsdokument der Bekennenden Kirche und
richtete sich gegen eine nationalsozialistische Einflussnahme. Gleichzeitig bemühte Bonhoeffer sich mit wechselvollen
Erfolgen um Anerkennung der Bekennenden Kirche durch die Ökumene und den gleichzeitigen Abbruch
der Beziehungen zu der von den Nazis gelenkten „Reichskirche“. 1936 hielt er sein letztes Kolleg an der Berliner
Fakultät zur Auslegung der Bergpredigt mit dem Titel „Nachfolge“ - 1937 als Buch erschienen. Im August
desselben Jahres wurde ihm aufgrund seiner Tätigkeit für die Bekennende Kirche die Lehrbefugnis entzogen.
Im Februar 1937 konnte Bonhoeffer zum letzten Mal an einer ökumenischen Konferenz - in London - teilnehmen,
im September wurde das Finkenwalder Predigerseminar von der Geheimen Staatspolizei geschlossen, im November
wurden 27 ehemalige Seminaristen in Haft genommen. Anfang 1938 knüpfte Bonhoeffer erste Kontakte zu
den Widerständlern Karl Sack, Hans Oster, Wilhelm Canaris und Ludwig Beck. Bonhoeffers Schwester Sabine,
die mit dem aus einer jüdischen Familie stammenden Juristen Gerhard Leibholz verheiratet war, und ihre Familie
emigrierten nach England, er selbst beteiligte sich während der Sudetenkrise an Umsturzplänen. Die wichtigsten
Schriften aus dieser Zeit sind neben einer Reihe von brisanten, stark in das kirchliche Geschehen eingreifenden
Vorträgen und Aufsätzen die Schrift „Gemeinsames Leben“ vom September 1938.
 |  |  | Eberhard Bethge und Dietrich Bonhoeffer, 1938
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Während einer Amerikareise im Frühsommer 1939 lehnte
Bonhoeffer es ab, dort zu bleiben und kehrte - um den unmittelbar
bevorstehenden deutschen Angriff auf Polen wissend - nach
Deutschland zurück und unterstützte aus Überzeugung seine
Freunde im aktiven politischen Widerstand, um noch schlimmeres
Unrecht und Leid zu verhindern. Er wurde nach außen hin Verbindungsmann
der militärischen Abwehr unter Admiral Canaris,
der selbst Mitglied des Widerstandes war. Sein eigentlicher
Auftrag aber war, über seine ökumenischen Verbindungen die
Westmächte über Fortgang, Pläne und Möglichkeiten der
Widerstandsbewegung zu informieren, sie vom Friedenswillen
einer neuen Regierung nach Hitlers Sturz zu überzeugen und
akzeptable Waffenstillstandsbedingungen zu erkunden. Zu diesem
Zweck unternahm er Reisen ins neutrale Ausland, die wichtigste
war das Treffen mit Bischof Bell von Chichester Mitte 1942 in Schweden. In engem Zusammenhang mit dieser
Tätigkeit stand die Arbeit an der Schrift „Ethik“, in der er Grundlagen christlichen politischen Handelns von den
Erfahrungen jener Jahre her formulierte. Daneben war er, solange Reise- und Aufenthaltsverbote ihn nicht daran
hinderten, als Visitator der Bekennenden Kirche und als deren theologischer Gutachter für aktuelle Fragen tätig.
Im Januar 1943 verlobte sich Bonhoeffer mit der 19 jährigen Maria von Wedemeyer, wurde aber schon im April
von der Geheimen Staatspolizei verhaftet und ins Wehrmachtsgefängnis Berlin-Tegel eingeliefert. Dort entstand
Bonhoeffers bekanntestes Buch „Widerstand und Ergebung“, das Briefe aus der Haft enthält und die große,
getroste Kraft des ungebrochenen Gefangenen deutlich macht.
 |  | | Maria von Wedemeyer, 1942 |
Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 sank auch Bonhoeffers
Hoffnung auf eine Wende. Im Oktober 1944 wurde er in die Gestapozentrale in Berlin
verlegt, im Februar 1945 ins KZ Buchenwald bei Weimar. Hitler persönlich erließ am
5. April 1945 den Befehl zu seiner Ermordung, am 9. April wurde er zusammen mit
Admiral Canaris, Hans Oster und anderen Widerstandskämpfern im KZ Flossenbürg
hingerichtet.
Heute zählt Dietrich Bonhoeffer zu den bekanntesten Märtyrern des 20. Jahrhunderts.
Von seinem christlichen Lebenszeugnis lassen sich weltweit viele Menschen inspirieren
für ein Leben in Frieden und Gerechtigkeit zwischen den Ländern und Völkern.
Ich glaube,
daß Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
Ich glaube,
daß Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müßte alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.
Ich glaube,
daß auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und daß es Gott nicht schwerer ist,
mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.
Ich glaube,
daß Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern daß er auf aufrichtige Gebete
und verantwortliche Taten wartet und antwortet..
(aus „Widerstand und Ergebung“, Nach zehn Jahren. Rechenschaft an der Wende zum Jahr 1943)
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