Gedenktafel in Zdroje (Finkenwalde)

Dietrich Bonhoeffer wurde am 4. Februar 1906 in Wroclaw (damals Breslau) geboren und wuchs in Berlin auf. Er studierte Theologie, promovierte 1927 und habilitierte sich 1930 mit der Schrift „Akt und Sein“. Im Sommer 1933 gab er seine Lehrtätigkeit auf, um sich ganz der Arbeit als Gemeindepfarrer zu widmen. 1934 wurde er beratendes Mitglied des Ökumenischen Rates. Im folgenden Jahr baute er in Zdroje (damals Finkenwalde) das (illegale) Predigerseminar der Bekennenden Kirche auf. Diese war als Gegenbewegung zur nationalsozialistisch gesteuerten Reichskirche der „Deutschen Christen“ entstanden. Später entwickelte sich aus ihrer Mitte eine aktive Widerstandsbewegung. Das Seminar in Finkenwalde wurde 1939 von der Gestapo geschlossen. Heute befindet sich dort eine Gedenkstätte, die im September 2002 durch ein internationales Jugendprojekt zweier Gartenbauschulen aus Hamburg und Stettin gestaltet wurde.

Bonhoeffers Engagement für die Bekennende Kirche und seine Opposition gegen die „Reichskirche“ suchten die Nationalsozialisten 1941 mit einem Rede- und Schreibverbot zu unterbinden. Zunächst ein Gegner des aktiven politischen Widerstandes, änderte Bonhoeffer nun seinen Standpunkt und schloss sich aus Überzeugung der Widerstandsbewegung um Admiral Canaris an. „Man muss dem Rad in die Speichen greifen und nicht abwarten, bis das sich abzeichnende Unglück geschieht“, lautete sein Credo. Am 5. März 1943 wurde Bonhoeffer verhaftet. In den folgenden Monaten entstand sein bekanntestes Buch „Widerstand und Ergebung“, ein Zeugnis seines Glaubens und seiner Ungebrochenheit. Nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 sank jedoch seine Hoffnung auf eine Wende. Am 9. April 1945 wurde Dietrich Bonhoeffer auf Befehl Hitlers im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet.

Szczecin ist durch die Arbeit Dietrich Bonhoeffers zu einem Ort geworden, der sich wie nur wenige für internationale ökumenische Begegnungen eignet. Er selbst bezeichnete die Jahre in Finkenwalde später als die beruflich und menschlich ausgefüllteste Zeit. Hier entstanden seine Bücher „Gemeinsames Leben“ und „Nachfolge“, die wesentlich zu seinem herausragenden Renommee als Theologe beitrugen. Mit dem Erscheinen des Buches „Chrzeseijanin w Trzecicj Rzeszy“ („Ein Christ im Dritten Reich“) von Anna Morawska im Jahre 1970 begann in Polen eine intensive Auseinandersetzung mit dem Leben und Werk Dietrich Bonhoeffers. An vielen Orten des Landes wird er heute durch Denkmäler und -tafeln geehrt. Wegen seines mutigen Eintretens für seinen Glauben sowie für Freiheit und Menschenwürde wird er von Polen und Deutschen gleichermaßen geachtet und gewürdigt. Doch fasziniert er darüber hinaus auch viele Menschen aus anderen Ländern. Seit der Eröffnung des Gemeinde- und Diakoniezentrums der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde in Stettin 1995 haben sich Menschen auf seine Spurensuche begeben.

Sitz des internationalen Dietrich Bonhoeffer Studien- und Begegnungszentrum in Szczecin (Stettin)

Deutsche und Polen verbindet eine lange und oft leidvolle Geschichte. Der Überfall und die Besetzung Polens im zweiten Weltkrieg und die anschließende Vertreibung der deutschen Bevölkerung nach der Jaltaentscheidung bildet den tragischen Höhepunkt dieser Geschichte. Noch heute steht das Geschehene vielfach zwischen Deutschen und Polen.

Wir, ein Kreis engagierter Christen aus Hamburg, Stralsund sowie Christen aus der Evangelischen - augsburgischen “Trinitatiskirche“ haben uns zusammengetan, um ein Zeichen für deutsch-polnische Verständigung zu setzen. Wir möchten dazu beitragen, unsere schwierige gemeinsame Geschichte besser zu verstehen, Entfremdung abzubauen und praktische Wege der Zukunftsgestaltung zu suchen. Unsere Leitfigur ist Dietrich Bonhoeffer. Der protestantische Pastor war ein Vordenker der Ökumene und trat engagiert für die Werte der Demokratie und der Menschlichkeit ein. Sein Leben und Wirken ist für Deutsche und Polen sowie für Christen aller Konfessionen ein gemeinsamer Ausgangspunkt für Dialog und Verständigung. Eine der zentralen Wirkungsstätten Dietrich Bonhoeffers war Finkenwalde, heute Zdroje, bei Szczecin. In Szczecin haben wir einen Ort geschaffen, an dem Menschen im Gedenken an ihn, seine Ideen und Überzeugungen zusammenkommen können.

In Szczecin besitzt die Parafia Ewangelicko- Augsburska (evangelisch-lutherische Kirche) ein größeres Haus im Zentrum der Stadt. Nach gründlicher Sanierung und Restaurierung wird das Haus seit Herbst 2003 als Studien- und Begegnungszentrum genutzt. Das Dietrich- Bonhoeffer-Haus sowie das bereits existierende Gemeindezentrum bieten Unterkunft für 25 bis 35 Gäste. Die Räume im Souterrain des neuen Hauses werden als Ausstellungs-, Versammlungs- und Begegnungsort von Menschen aus Szczecin und der Kirchengemeinde genutzt. Auch diakonische Projekte, vor allem für Kinder und Jugendliche, haben hier ihren Platz.

Ausstellungseröffnung 2004

Seit dem Frühling 2004 können Gemeinde und Gäste das Haus in vollem Umfang nutzen. Das Internationale Dietrich-Bonhoeffer Studien- und Begegnungszentrum bietet einen einzigartigen Rahmen, um sich mit den Gedanken, Ideen und Aussagen Bonhoeffers intensiv zu beschäftigen. Die Auseinandersetzung mit der eigenen religiösen und kulturellen Identität, dem Verständnis christlichen Lebens in der heutigen Welt und der Erprobung neuer Wege finden hier einen geschützten und gastlichen Raum.

  • Die Beschäftigung mit der Person Dietrich Bonhoeffers und seinen theologisch-biblischen Intentionen
  • Die Suche nach Spiritualität und Verantwortung
  • Die Frage nach der eigenen Glaubensidentität
  • Ökumenische Begegnungen
  • Die gemeinsame und geteilte Glaubenserfahrung
  • Die deutsch-polnische Verständigung
  • Sprachwerkstatt.
» zum Anfang der Seite